Leitbild der Ganztagsschule Wertheim

Miteinander leben - Miteinander lernen - Die Menschen stärken

"Wichtiger als das Ziel ist der Weg. Wer ihn zu schnell geht, läuft Gefahr, all das zu versäumen, dessentwegen er sich auf den Weg gemacht hat."

Louis L`Amour

Schule braucht Veränderung, die unsere Schülerinnen und Schüler fit für das 21. Jahrhundert machen soll.
Veränderungen in Familie und Beruf stellen die Schule vor neue Aufgaben. Wir nehmen diese Herausforderung an. Gemeinsam mit den Eltern und anderen Institutionen wollen wir das Selbstbewusstsein unserer Schülerinnen und Schüler stärken und ihre Chancen verbessern.

Miteinander leben meint:

Schülerinnen und Schüler müssen verstärkt Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Bindungsfähigkeit lernen und trainieren.
Kinder führen heute oft ein Leben aus zweiter Hand. Viele Erfahrungen machen sie nicht mehr selbst, sondern via Bildschirm. Der Bezug zur Realität wird dadurch erschwert. Auch eröffnen die Medien scheinbar unbegrenzte Konsummöglichkeit und erzeugen damit enorme Konsumwünsche. Kinder müssen heute lernen, zwischen Visionen, Fiktionen und der Realität zu unterscheiden und Frustrationen auszuhalten.
Unsere Schule will ihnen Wege zum bewussten, kritischen Umgang mit den Medien zeigen.
Problematisch ist auch, dass das Medium Fernsehen keinen Dialog zulässt. Da zudem immer mehr Schülerinnen und Schüler wenig oder keine Geschwister haben und viele nachmittags alleine sind, nehmen die Möglichkeiten, Kommunikation zu erlernen und einzuüben insgesamt ab.
Die Ganztagsschule bietet vielfältige Möglichkeiten für Gespräche und den positiven Umgang miteinander.
Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass Familien heute scheidungsanfälliger sind als noch vor 20 Jahren. Sogenannte Scheidungskinder müssen häufig starke innere und äußere Konflikte durchleben und verarbeiten. Sie erleben Bindungen als nicht dauerhaft und sollen dennoch bindungsfähig werden.
Wir wollen Schülerinnen und Schüler mit verlässlichen Bindungen begleiten und ihre Teambereitschaft und Sozialkompetenz stärken.

Miteinander lernen meint:

Schülerinnen und Schüler sollen lernen, selbstständig zu arbeiten. Sie sollen Verantwortung übernehmen können für sich und andere. Sie sollen neugierig auf die Welt zugehen und Fragen stellen.
Eine große Zahl der Kinder wird in Kindheit und Jugend von Erwachsenen organisiert und gemanagt. Andere werden "überbehütet". Wieder andere fallen in ein "Erziehungsvakuum".
All diese unterschiedlichen Kinder sollen einmal selbstständig, teamorientiert und sozialkompetent handeln. Auch die Wirtschaft legt gerade auf diese Fähigkeiten zunehmend Wert. Sozialisation findet heute oft in "Inselwelten" statt. Schule ist eine dieser Inseln neben dem Fußballverein, dem Jugendtreff usw. Und auf jeder dieser Inseln gibt es Erwachsene, die organisieren und managen.
Wir müssen Kinder und Jugendliche zur Verantwortung heranziehen, ihnen Mut zur Eigeninitiative machen und sie in ihrer Selbstständigkeit stärken. Wir müssen dafür Raum und Zeit bieten, dass diese Fähigkeiten ausprobiert und weiterentwickelt werden können.
Die Wissensmenge nimmt heute so rasend schnell zu, dass es in Zukunft immer wichtiger wird, zu wissen, wo man welche Information einholen kann. Außerdem wird man im Berufsleben gezwungen sein, sich regelmäßig und selbständig fortzubilden.
Wir wollen ihnen Fähigkeiten vermitteln, sich aktualisiertes Wissen anzueignen und ihre Urteilskraft zu stärken.

Menschen stärken meint:

Schülerinnen und Schüler sollen ihre Schwächen und Stärken erfahren und lernen, diese zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen. Sie sollen in jeder Hinsicht tolerant und flexibel bleiben oder werden.
Kinder haben immer weniger Chancen Primärerfahrungen zu sammeln. Oft fehlt es ihnen an intellektueller Stimulation. Dadurch wird der Weg zur realistischen Selbsteinschätzung erschwert.
Unsere Aufgabe ist es, ihnen über das Erkennen ihrer Schwächen und Stärken zu einer ausgewogenen Persönlichkeitsentwicklung zu verhelfen.

Kinder leben heute mit einer bedrohten Zukunft. Sie erleben u.a.:

  • Umweltzerstörung
  • Kriege
  • Arbeitslosigkeit
  • Gewalt in der Familie und in der Gesellschaft.

Einige verzweifeln daran und werden aggressiv oder geben die Hoffnung auf ein erfülltes Leben auf.
Wir wollen ihnen Wege aufzeigen, ein Leben in der Realität zu führen.
An unserer Schule leben Schülerinnen und Schüler aus verschiedensten Ländern und Kulturkreisen mit unterschiedlichen religiösen und sozialen Hintergründen. Das führt immer wieder zu Konflikten.
Die Ganztagsschule ist ein Lebensraum, in der Strategien zur Konfliktbewältigung entwickelt werden können.

Resümee:

Kindheit und Jugend haben sich verändert. Die Arbeits- und Berufswelt hat sich verändert. Die Gesellschaft hat sich verändert. Damit haben sich auch die Aufgaben der Schule und des Lehrers verändert. Schülerinnen und Schüler brauchen heute keine reine "Paukschule" mehr. Vielmehr muss Schule neben der Vermittlung von Grundwissen und Grundfertigkeiten auch helfen:

  • Mit sinnvollen Freizeitangeboten dem Medienkonsum zu begegnen
  • "Brücken" zwischen den Inseln zu bauen, indem sie sich Partner in die Schule holt
  • Verlässliche Bindungen aufzubauen
  • Eigenverantwortlichkeit und gestalterische Grundlagen zu entdecken und zu entwickeln
  • Dass die Kinder ihre handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln können
  • Selbstständiges Arbeiten zu lernen
  • Das Selbstwertgefühl zu stärken und damit dem Konsumzwang, dem Drogenkonsum und der Gewaltbereitschaft entgegenzuwirken

In so einer Schule werden alle mehr Zeit füreinander haben und sich damit viel wohler fühlen. In einer Ganztagesschule werden sich ganz neue Möglichkeiten auftun.

"Wie weit wir im Leben kommen, hängt davon ab, wie sensibel wir mit den Jungen umgehen, wie mitfühlend mit den Alten, wie verständnisvoll mit den Ehrgeizigen und wie tolerant mit den Schwachen und Starken. Denn irgendwann gehören wir alle einmal zu ihnen."

George Washington Carver